Im Bann des Matterhorns

Nicht hinauf, sondern dran lang

© Foto: Karl Heinz Scheidtmann
© Foto: Karl Heinz Scheidtmann

Zermatt hat – außerhalb des Touristenrummels – viele spektakuläre Wanderungen und Bergtouren zu bieten. Spektakulär ist meist der Matterhornblick aus immer neuen Perspektiven und bei wechselnden Licht- und Wetterstimmungen.

Eine weniger bekannte Wanderung führt von Zermatt zur Schönbielhütte (2694 m). Vertraut dürfte die Strecke Skihochtourengehern sein, als Abschnitt der Haute Route von der Bertolhütte bei Arolla nach Zermatt. Bei Sommerwanderern ist die Tour weniger bekannt, vielleicht, weil die Hütte keinen leichten 4000er im Angebot hat und man tatsächlich gut vier Stunden per pedes unterwegs ist. Aber die bloße Wanderung zur Hütte, als Tagestour oder – schöner – mit Übernachtung bietet spektakuläre und ungewohnte Blicke aufs Matterhorn und man begreift die gewaltigen Dimensionen dieses Berges.

Los geht’s am Bahnhof Zermatt durch die Hauptgeschäftsstraße, vorbei an der Kirche bis zum Gemeindehaus, wo endlich das Matterhorn um die Ecke schaut, und weiter bis Ortsende. Wir bleiben auf der orografisch linken Seite des Baches Richtung Zmutt/Schönbiel. Der Anstieg, mal steiler, mal flacher, führt zunächst durch Wald, dann durch offene Matten. Nach einer Stunde erreicht man das Dörflein Zmutt (1936 m), das wie ein Schwalbennest am Südhang der Höhbalmen liegt. Für eine Einkehr ist es freilich noch zu früh. Weiter führt der Weg durch die Bodmen, unter dem steilen Felssockel des Untergabelhorns entlang bis zum großen Wasserfall des Arbenbachs, der scheinbar aus dem Nichts senkrecht die Felswand herabstürzt. Alternativ – und an heißen Tagen vielleicht angenehmer – kann man vom Ortsende auch auf der Südseite des Baches durch Wald Richtung Biel/Stafel Alpe gehen und von dort durch den Talgrund auf die andere Seite wechseln.

Allmählich öffnet sich der Blick bis zum Talschluss mit der Dent d`Hérens, Tˆete de Valpelline und Tˆete Blanche mit dem Tiefmattengletscher und dem Stockjigletscher.  Nach dem Wasserfall verläuft der Weg teils unterhalb, teils auf dem Kamm der linken Seitenmoräne des Zmuttgletschers. Nach dem Rückzug des Gletschers ist die Natur im Vormarsch: Alpenrosen, Enziane und sogar Edelweiß kann man hier antreffen. Der Blick geht aber immer wieder hinüber zum Matterhorn, besonders wenn Wolken den Gipfel immer neu dekorieren, bis man schließlich frontal auf den Zmuttgrat schaut. Der letzte Anstieg zur Hütte wird nochmal anstrengend. Aber dann wird man belohnt mit einer grandiosen Kulisse aus Dent d`Hérens, Matterhorn und ganz im Osten grüßen Rimpfischhorn, Strahlhorn und der Monte Rosa Stock.

Und wenn man großes Glück hat, leuchtet in der Nacht die Milchstraße über dem Matterhorn.

Wenn man nur einen Tag zur Verfügung hat (weil es nur einen einzigen Schönwettertag gibt), kann man natürlich die Hütte auslassen und an beliebiger Stelle umkehren. Der Abstieg verläuft wie der Aufstieg und doch mit neuen Eindrücken.

Karl Heinz Scheidtmann

Informationen

Anreise per Bahn: Freiburg – Zermatt ca. fünf Stunden, 
z. B. 5:28-10:17 Uhr, vorletzter Zug zurück: 18:37-22:56 Uhr

Zermatt Bf.:         1612 m ü.N.N.
Zmutt:                  1973 m ü.N.N.
Schönbielhütte:  2694 m ü.N.N., 

80 Plätze, offen zur Skitourenzeit und im Sommer

Zermatt-Schönbielhütte: 9 km, 1100 hm, gut vier Stunden

Gut beschildertes Wegenetz, verlaufen kann man sich kaum.
© Foto: Karl Heinz Scheidtmann
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© Foto: Karl Heinz Scheidtmann
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